Informationen sind kein Wissen

Informationen sind kein Wissen

12. März 2019 Beschreibung der Welt 0
Eine Frau sucht in der Bibliothek nach Wissen. Bücher fliegen durch die Gegend.

Frau in Bibliothek (Bild von comfreak auf PLiXS)

Was wir von Verwandten, Freunden, Kollegen, Schulen, Universitäten oder über Medien wie Zeitung, Fernsehen und Internet vermittelt bekommen, ist sehr oft kein Wissen. Es sind nur Informationen. Wenn in einem Geschichtsbuch damalige Ereignisse beschrieben werden, dann kann das richtig aber auch falsch sein.

Schlagen wir Physikbücher auf, die über 300 Jahre alt sind, können wir sehen, dass nach heutigem wissenschaftlichen Stand (*) vieles davon nicht stimmt. Genauso wird man im Jahr 2300 sagen, dass in den Büchern von 2019 viel Falsches drinnen steht, obwohl es aus heutiger Sicht der Wahrheit entspricht.

Die schwarzen Straßenlaternen

Wenn ich dir sage, dass in der Straße, in der ich wohne, die Straßenlaternen schwarz sind, dann habe ich das Wissen, weil ich sie gesehen habe und jederzeit wieder sehen kann, wenn ich aus dem Fenster schaue. Für dich ist das erstmal eine Information. Du musst schon selbst in meine Straße kommen und erst dann weißt du, ob diese Information stimmt. Klar, es macht keinen Sinn, dich wegen der Farbe von Straßenlaternen anzulügen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Information der Wahrheit entspricht. Trotzdem ist es erstmal nur eine Information.

Die Wahrheitssuche

Also müssen wir erstmal herausfinden, ob die Information stimmt, bevor wir sie als Wissen bezeichnen können. Wenn du also in meine Straße kommst und die schwarzen Straßenlaternen siehst, dann hast du das Wissen, dass es in meiner Straße schwarze Straßenlaternen gibt.

Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass wir viele Dinge gar nicht überprüfen können. Nehmen wir zum Beispiel Geschichtsbücher. Wir können schließlich nicht in die Vergangenheit reisen. Wir können archäologische Funde untersuchen und Schriftstücke heranziehen, falls es sie überhaupt gibt. Dann müssen wir abwägen, wie vertrauenswürdig diese Quellen sind.

Andere Zusammenhänge sind so komplex, dass es schwierig ist, die Wahrheit herauszufinden. Nehmen wir den Bereich Ernährung als Beispiel. Viele Empfehlungen sind Behauptungen und wurden nie durch Studien belegt. Oder es wurde belegt, aber es gibt wiederum Studien, die das Gegenteil aussagen. Studien an Menschen sind oft widersprüchlich, weil es viele Parameter gibt, die nicht kontrolliert werden. Manchmal beruft man sich auf Experimente mit Mäusen, aber man weiß dann immer noch nicht, inwieweit die Ergebnisse auf dem Menschen übertragbar sind.

Sinnlose Diskussionen

Vielleicht kennt ihr das von euch selbst. Ihr sitzt mit ein paar Freunden zusammen und unterhaltet euch über alle möglichen Themen. Manchmal kennt man sich besser aus und manchmal schlechter. Doch häufig hat man nur ein paar Informationen aus der Zeitung, Fernsehen oder Internet. Trotzdem wird sich eine eigene Meinung gebildet, obwohl kein Wissen vorhanden sind. Und selbst, wenn die Informationen stimmen sollten, fehlen weitere Informationen, um diese richtig einordnen zu können.

Der Paradigmenwechsel

Anhand der Informationen, die wir haben, bauen wir uns ein Modell auf, wie diese Welt funktioniert. Ein Erklärungsmodell für ein Ereignis wird als Paradigma bezeichnet. Verändern sich unsere Informationen, verändert sich unser Paradigma.

Ein gutes Beispiel für solch eine Veränderung stammt von dem amerikanischen Managementexperten Stephen Covey [1]. Er saß in der New Yorker U-Bahn, als ein Mann mit seinen Kindern zustieg. Die Kinder haben sich unmöglich aufgeführt und die anderen Fahrgäste belästigt. Stephen Covey dachte, dass der Mann vollkommen unsensibel sei und für seine Kinder keine Verantwortung übernehme. Doch dann hat der Mann ihm anvertraut, dass sie gerade aus dem Krankenhaus kamen und seine Frau vor einer Stunde gestorben sei. Diese neue Information hat natürlich schlagartig die Meinung von Stephen Covey über den Mann und die gesamte Situation geändert.

Blinder Glaube

Da wir bei vielen Informationen nicht wissen, ob sie wahr sind, und auch nur ein Bruchteil an Informationen haben, kann man auch zu dem Schluss kommen, dass wir nicht viel wissen. Trotzdem glauben wir häufig, wir wüssten Bescheid und treffen darauf beruhend Entscheidungen. Beruhend auf einem Glauben an Informationen, den wir als Wissen bezeichnen.

Glaubenssätze entstehen

Informationen führen dazu, dass in unserem Verstand Glaubenssätze entstehen. Dadurch können wir von anderen – sowohl bewusst als auch unbewusst – manipuliert werden.

Margaret Paul [2] benennt in ihrem Buch Inner Bonding einige negative Glaubenssätze, die in früherer Kindheit vom Umfeld vermittelt werden können und oft bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben:

  • Irgendetwas stimmt mit mir nicht.
  • Andere Leute sind für meine Gefühle verantwortlich.
  • Ich bin verantwortlich für die Gefühle der anderen.
  • Ich kann beeinflussen, wie andere über mich denken und wie sie mich behandeln.

Diese Glaubenssätze, falls wir sie haben, können unser Leben stark beeinflussen. Aber wir haben Glaubenssätze über alles Mögliche. Über den Nachbarn, die Politik, Wissenschaft, Sport, Ernährung. Was auch immer es in dieser Welt gibt.

Die Beschreibung der Welt

Mit unseren Glaubenssätzen beschreiben wir automatisch die Welt, ob wir wollen oder nicht. Die Beschreibung der Welt sorgt wie ein Filter und beeinflusst unsere Wahrnehmung. Aufgrund der Glaubenssätze und der Wahrnehmung denken und handeln wir. Haben wir Glaubenssätze, die nicht mit der Welt übereinstimmen, können wir uns schlechter zurechtfinden. Außerdem können aus Kombinationen von falschen Glaubenssätzen neue falsche Glaubenssätze entstehen. Es wird dann wie ein dunkles Labyrinth, das immer größer wird und in dem wir immer tiefer hineingeraten.

Aus diesem Grund ist es wichtig, alle Informationen, die an uns herangetragen wurden, zu überprüfen und nicht blind zu glauben. Dasselbe gilt für die Dinge, die wir bis jetzt geglaubt haben.

Anmerkungen

(*) In vielen Fällen gibt es in der Forschung keinen Konsens.

Quellenangaben

[1] Stephen R. Covey, The 7 Habits of Highly Effective People: Powerful Lessons in Personal Change, Mango Media, Kindle Edition 1 (2015)

[2] Margaret Paul, Inner Bonding: Becoming a Loving Adult to Your Inner Child, HarperOne, Kindle Edition 1 (16. Oktober 2012)

 

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